Phantombestände
Cortex erkennt den Bestand, der nur im System existiert, am Abverkauf und korrigiert ihn, bevor die Nachbestellung ausbleibt.
Phantombestand
Bestandsgenauigkeit
Artikel ohne Kassensignal
Korrekturzeit
Zählungen je Tag
Abweichung
Jeder Händler führt zwei Bestände, den im System und den auf der Fläche, und in einem Laden stimmen über 60 Prozent der Bestandssätze nicht mit der gezählten Ware überein. Die Abweichung ist klein, ein paar Stück nach oben oder unten, und sie ist unsichtbar, solange niemand zählt. Cortex liest Systembestand, Wareneingänge, Umlagerungen und Abverkauf im selben Zeitraster und erkennt an ihrem Verlauf, wo die beiden Bestände auseinanderlaufen, bevor die Inventur es tut.
Die Abweichung kommt aus dem Wareneingang, der Kasse und der Umlagerung, aus Bruch und Schwund, und aus Ware, die im Laden ist und nicht dort, wo sie gebucht ist, zurückgelassen am Service-Schalter oder im falschen Fach. Für den Umsatz ist ein Artikel, den niemand findet, so gut wie nicht vorhanden. Im deutschen Einzelhandel entstanden im vergangenen Jahr allein durch Erfassungs-, Buchungs- und Bewertungsfehler 780 Millionen Euro Schaden, und zwischen zwei Inventuren wächst die Abweichung weiter.
Stillstand
Der teure Fall ist der, in dem das System mehr führt, als im Regal liegt. Der Bestand steht über dem Bestellpunkt, also bestellt niemand nach, das Regal bleibt leer, die Kunden gehen weiter, und der Artikel verschwindet aus dem Abverkauf, ohne dass eine Meldung entsteht. Das bleibt so, bis jemand physisch nachsieht.
Bei jeder Zählung sind zwischen acht und 24 Prozent der Artikel eines Lebensmittelhändlers davon betroffen, und der Anteil wächst mit dem Abstand zwischen zwei Zählungen, von rund 18 Prozent bei monatlicher auf über 27 Prozent bei halbjährlicher Zählung. Auf der anderen Seite steht der Bestand, den das System zu niedrig führt, und der Nachschub, der zu früh kommt und Kapital bindet. Die Disposition rechnet in beiden Fällen mit einer Zahl, die es nicht gibt.
Verdacht
Cortex bildet den Verdacht aus dem Verhalten der Kasse. Ein Artikel, der nach seinem Muster täglich verkauft wird und seit Tagen nicht mehr scannt, während das System ihn führt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Phantombestand. Systembestand, letzte Buchung, Wareneingänge, Umlagerungen und Abverkauf liegen im selben Zeitraster, und aus ihnen entsteht je Artikel eine Wahrscheinlichkeit, dass die Zahl im System nicht stimmt.
Die Frequenz ist der Kontext, denn ein Artikel ohne Verkauf an einem Tag ohne Kunden ist kein Verdacht. Cortex gewichtet den Stillstand mit der Frequenz vor dem Regal und mit Umsatz und Marge des Artikels, damit die Prüfung dort beginnt, wo sie Umsatz zurückholt. Sensorik am Regal bestätigt den Befund, wo sie vorhanden ist. Voraussetzung ist sie nicht, ebenso wenig wie RFID oder Kamera.
Korrektur
Der Verdacht geht als Aufgabe an die Rolle im Store, mit Artikel, Regalplatz und Grund. Prüfen, zählen, den Bestand richtigstellen, und die Bestellung läuft wieder an. Werden falsche Bestandssätze korrigiert, steigt der Umsatz um vier bis acht Prozent, gemessen in Testfilialen gegen Kontrollfilialen. Der erfasste Grund geht dabei in die Statistik ein, damit die Ursache sichtbar wird, der Wareneingang, die Kasse oder das falsche Fach.
Gezählt wird gezielt statt flächendeckend, wenige Artikel je Tag mit dem höchsten Verdacht statt einer Vollinventur, die den Laden einen Tag lang bindet. Bestandsgenauigkeit und Korrekturzeit werden je Standort geführt und über das Netz verglichen. Der Bestand im System wird damit von einer Annahme zu einer Grösse, die sich jeden Tag ein Stück näher an die Fläche führen lässt.